„STOP FGM NOW!“

Alle elf Sekunden wird auf der Welt ein Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt. Um ihrer Forderung „STOP FGM NOW!“ Nachdruck zu verleihen, startet Waris Dirie am 6. Februar 2010 eine internationale Kampagne. Unterstützt wird die mehrfach ausgezeichnete Menschenrechtsaktivistin dabei in Deutschland von führenden Organisationen, die sich im Kampf gegen FGM (Female Genital Mutilation) engagieren.

Die wichtigsten Ziele des gemeinsamen Engagements sind: die aktuelle Situation betroffener Frauen in Deutschland verbessern, einen Durchbruch für den Schutz bedrohter Mädchen erzielen, politischen Forderungen Ausdruck verleihen und Interessierten konkrete Möglichkeiten zur Förderung und Unterstützung von Projekten geben.

Initiator HEYMANN BRANDT DE GELMINI setzt auf irritierende Anzeigen und Spots

Initiiert und entwickelt hat die „STOP FGM NOW!“-Kampagne der Unternehmer René Heymann. Seine Berliner Werbeagentur kreierte und finanzierte nicht nur Anzeigen und einen TV-Spot, sondern gewann darüber hinaus zahlreiche Partner und Sponsoren für den gemeinsamen Kampf gegen Genital­verstümmelung. „Ohne die Agentur HEYMANN BRANDT DE GELMINI gäbe es diese Kampagne nicht. Die Idee, Aufmerksamkeit für FGM-betroffene Frauen nicht über Mitleid sondern über Irritation zu erzielen, hat mich überzeugt,“ sagt Waris Dirie, die mit ihrer Foundation als Trägerin und Botschafterin der Kampagne agiert. Ziel der Anzeigen und des Spots sei es, das Thema Genital­verstümmelung auch in das Blickfeld von Menschen zu rücken, die sich bisher nicht oder nur sehr wenig mit diesem grausamen Ritual beschäftigt haben und in die Diskussion einzusteigen, wie Mädchen zu schützen sind – und zwar jetzt.

„Ich will, dass alle Menschen auf dieser Welt meinen Traum träumen!“

Mit öffentlichen Auftritten, Büchern und der Verfilmung ihres Bestsellers „Wüstenblume“ schärft Waris Dirie seit vielen Jahren das Bewusstsein für die unmenschliche Praktik der weiblichen Beschneidung weltweit. Waris Dirie: „Ich will, dass alle Menschen auf dieser Welt meinen Traum träumen: Das Ende der Genital­verstümmelung – für alle Zeit. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, vorhandene Kräfte zu bündeln und weitere Unterstützer zu gewinnen.“ Wichtig sei außerdem, von den Erfahrungen aus den Herkunftsländern zu lernen und präventiv zu handeln.

Im Kampf gegen Genitalverstümmelung haben sich unterschiedliche Ansätze und Wege bewährt. „[STOP FGM NOW!]“ bündelt das Engagement ver­schiedener Organisationen. „Wir wollen jedes Mädchen vor FGM schützen! Waris Dirie hat dieses Tabuthema als erste Frau in die Weltöffentlichkeit gebracht. Wir unterstützen ihre Kampagne, weil wir zusammen mit anderen Partnern ein Zeichen setzen wollen und gemeinsam so viel mehr erreichen können“, sagt Jawahir Cumar von stop mutilation e.V.. Zu den ersten Unterstützerorganisationen der internationalen „STOP FGM NOW!“- Kampagne zählen das CENTER for PROFS, sowie die eingetragenen Vereine Leb Kom, FIM - Frauenrecht ist Menschenrecht, Hammer Forum, (I)ntact und TERRE DES FEMMES.

Jede und jeder kann etwas tun – Infos bietet www.stop-fgm-now.com

Mit kurzen Projektbeschreibungen werben die Partnerorganisationen auf der Kampagnenwebsite für ihre Projekte und Aktionen. Wer sich im Kampf gegen Genital­verstümmelung engagieren möchte, findet unter www.stop-fgm-now.com ganz konkrete Möglichkeiten, was er oder sie tun kann. Geld spenden ist eine von vielen weiteren wichtigen Möglichkeiten. So wirbt beispielsweise TERRE DES FEMMES um Unterschriften für eine Petition. Mit dieser sollen die Krankenkassen in Deutschland aufgefordert werden, Kosten zu übernehmen, wenn betroffene Frauen aufgrund der erlittenen Genital­verstümmelung gesundheitliche Probleme haben. Das Thema Prävention haben sich das Forschungsinstitut CENTER for PROFS sowie die an der Basis arbeitenden Organisationen, wie FIM oder LebKom, auf die Fahnen geschrieben. Ihre Projekte zielen vor allem darauf ab, dass Migrantentöchter erst gar nicht beschnitten werden.

Zudem wollen die Organisationen mit Hilfe der Kampagne unter anderem folgende Forderungen publik machen:

  • Alle Kinder in Deutschland – unabhängig von Herkunft und Geschlecht – sollten verbindlich an den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.
  • ÄrztInnen sollten melden müssen, wenn sie entdecken, dass ein Mädchen bereits verstümmelt ist. Dann sind andere Mädchen in den Familien extrem gefährdet und müssen wirksam geschützt werden.
  • Das Thema Beschneidung gehört in die Ausbildung von ÄrztInnen, PsychologInnen und SozialarbeiterInnen. Diese Fachkräfte können eine wichtige Rolle übernehmen, wenn es darum geht, Eltern davon zu überzeugen, ihre Töchter nicht beschneiden zu lassen.
  • Es müssen eindeutige Richtlinien für die Behandlung und Beratung von beschnittenen Frauen und Mädchen erarbeitet werden.
  • Kinder sollen im Rahmen der Sexualkunde über die weiblichen und männlichen Sexualorgane aufgeklärt werden, damit ein interkultureller tabufreier Dialog zur Problematik möglich wird.
  • Für betroffene Mädchen und Frauen sollte es mehr Beratungsstellen geben.
  • FGM sollte ein eigener Straftatbestand werden.
  • Es braucht die Ausbildung von Anti-FGM-Fachkräften, damit diese den Dialog zu Migrantenethnien aufbauen können, um sie für einen gemeinsamen Kampf zu mobilisieren.
  • Zur Realisierung dessen wird zudem gefordert, dass Bund und Länder im Rahmen eines Nationalen Aktionsplanes die entsprechenden Mittel bereitstellen.

Fakten zum Thema weibliche Genitalverstümmelung

Weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist ein destruktiver Eingriff, bei dem die weiblichen Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt oder verletzt werden. Die Verstümmelungen werden oft als religiöse und gesellschaftliche Pflicht angesehen. Bei einigen Ethnien spielt auch der in der STOP FGM NOW!-Kampagne betonte Schönheits- bzw. Hygieneaspekt eine Rolle; bei ihnen gilt das weibliche Genital als hässlich und schmutzig. Letztlich dient FGM aber vor allem der Kontrolle weiblicher Sexualität.

Bei der Beschneidung werden meist ohne Narkose und unter unhygienischen Bedingungen Teile der äußeren Genitalien entfernt. Neben der Amputation der Klitoris (Klitoridektomie) werden häufig die inneren Schamlippen ganz oder teilweise mit nicht desinfizierten Rasierklingen, Glasscherben, Scheren o.a. abgetrennt. In 15 Prozent aller Fälle werden zudem die großen Schamlippen ausgekratzt. Die verbleibende Haut wird dann bis auf eine winzige Öffnung zugenäht (Infibulation).

In Deutschland leben mehr als 20.000 betroffene Frauen

Die Verstümmelung findet meist vor der Pubertät statt, häufig bei Mädchen zwischen vier und acht Jahren, inzwischen auch vermehrt bei Säuglingen, die erst wenige Tage, Wochen oder Monate alt sind. Weibliche Genital­verstümmelung kommt vor allem in Afrika vor, besonders in Nordost-, Ost- und Westafrika. Es gibt sie aber auch im Nahen Osten, in Südostasien – und unter Einwanderinnen in Europa, den USA, Kanada, Australien und in Neuseeland. Nach Schätzungen der Weltgesundheits- organisation (WHO) sind mindestens 150 Millionen Frauen weltweit davon betroffen. Im Vergleich dazu: Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit 40 Millionen Menschen HIV-positiv oder bereits an Aids erkrankt sind.

In Europa leben bis zu 500.000 verstümmelte oder von FGM bedrohte Mädchen und Frauen. Alle 11 Sekunden wird ein Mädchen auf dieser Welt an ihren Genitalien verstümmelt. Unzählige Mädchen und Frauen sterben an dieser massiven Form der Gewalt oder ihren Folgen.

In Deutschland leben mehr als 20.000 Frauen, die bereits eine Genitalverstümmelung erlitten haben. Über 5.000 Mädchen und Frauen aus Zuwandererfamilien droht dieses Schicksal zum Beispiel bei einem Ferienaufenthalt im Herkunftsland.

Weitere Informationen und Materialien finden Sie unter:
www.stop-fgm-now.com

Pressekontakt:
Stilblüte Kommunikation,
Böckhstr. 21,
10967 Berlin
Anna Hansen & Holger Wetzel
Telefon 030.69 56 84 84,
E-Mail: wetzel@stilbluete.com

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